Solange ich atme

Solange ich atme

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Darum geht es

Robin Cavendish (Andrew Garfield) erkrankt im Alter von 28 Jahren an Polio. Seitdem ist er vom Hals abwärts gelähmt und braucht zum Atmen eine Maschine. Seine Frau Diane (Claire Foy) will ihn aus dem trostlosen Krankenhaus rausholen, doch die Ärzte geben ihm nur zwei Wochen, die er ohne medizinische Hilfe zu Hause überlebt. Doch dank dem hingebungsvollen Einsatz seiner treuen Frau und dem seiner Freunde erlangt er Stück für Stück die Freiheit zurück und lebt anderen vor, was Hoffnung und Liebe bewirken können.


Meine Meinung

Bevor ich den Film eingelegt habe, hatte ich gehofft, einen Film zu sehen, der mich emotional berühren und total mitnehmen wird (so wie z.B. bei dem Film Wunder). Doch leider ist dies nicht passiert. Das liegt nicht unbedingt an dem, was Robin Cavendish erlebt und erreicht hat, denn das ist durchaus bemerkenswert und sehr inspirierend. Er hat anderen Kranken vorgelebt, was es heißt, in Freiheit zu leben. Dank seiner Frau hat er sich für ein Leben zu Hause entschieden und schließlich mit Hilfe seines Freundes Teddy Hall Equipment entwickelt, das ihm und anderen Behinderten das Leben erleichtert hat. Und er hat es auch geschafft, Geldgeber zu finden, um mit diesen Erfindungen in Serie zu gehen.

Das alles, wie er die gefangenen Kranken befreit und ihnen neue Hoffnung gegeben hat, ist wirklich inspirierend. Doch wird dieser Handlungsstrang nur kurz angerissen, um dann gleich wieder fallen gelassen zu werden. Stattdessen konzentriert sich der Film hauptsächlich darauf, die gesamte Geschichte von Cavendish zu erzählen.


Weniger wäre mehr

Und hier sehe ich auch das Problem: wenn der Film sich auf einen bestimmten Abschnitt in dem Leben des Protagonisten konzentriert hätte, wäre es ein sehr viel spannenderer und emotionalerer Film geworden. Dann hätte man der klassischen Dramaturgie folgen können (Held sieht ein Ziel vor Augen, ihm werden etliche Hindernisse in den Weg gelegt, bis er schließlich das Ziel erreicht). Doch da der Film so viel erzählen will, wird nichts so richtig erzählt. Es gibt kaum Spannung und der Funke springt einfach nicht über. Bei den „bewegenden“ Szenen fühle ich nichts und bei den „lustigen“ Szenen lache ich nicht. Eine Ursache für den fehlenden Mut zur Lücke findet man wahrscheinlich auch im Produzenten. Denn dieser ist Robins Sohn, Jonathan Cavendish. Ich nehme an, dass er seinen Vater mit diesem Film ehren wollte und es ihm schwer fiel, Dinge auszulassen.

Ein weiteres Problem des Films ist das Ende. Der Film beruht auf einer wahren Geschichte und deshalb kann er nichts für die Entscheidung, die der Protagonist trifft. Doch ist das Ende trotzdem ein schwerwiegender Grund, weshalb ich den Film nicht nochmal sehen würde. Am Ende entscheidet sich der Protagonist dafür, Selbstmord zu begehen. Sicher, sein Zustand war schrecklich und beängstigend. Doch gerade er war es doch, der den Menschen gezeigt hat, was Hoffnung ist und dass man nicht aufgeben soll – egal wie schlimm es aussieht. Er hat so viel Liebe und Fürsorge von seiner Frau gezeigt bekommen, die nur für ihn gelebt hat. Seine Entscheidung macht das alles irgendwie kaputt. Auf einmal hat Hoffnung keine Bedeutung mehr. Und was seine Frau und sein Sohn fühlen, nach allem, was sie getan haben, ist auch egal. Das Thema wird außerdem extrem verharmlost dargestellt. Die Tragik und Schwere hinter dem Ganzen wird zu wenig gezeigt. Alle scheinen es irgendwie, manche früher, manche später, zu akzeptieren.


Meine Bewertung

All diese erwähnten Gründe ziehen die Bewertung für diesen Film stark nach unten. Es gibt zwar auch positive Aspekte wie Andrew Garfield, der es schafft, diese Rolle fast ausschließlich mit Mimik zum Leben zu erwecken. Und der Mittelteil mit der „Befreiung“ der Kranken und dem Erfindungsgeist seiner Freunde ist sehr schön inszeniert. Doch alles in allem kann ich den Film nicht empfehlen und gebe ihm

Zwei von Fünf Besen


Beppos Fazit

Nun möchte ich noch Beppo fragen, was er von dem Film hält:

Beppo: Nun, ich finde, am Anfang machen Robin und seine Freunde das genau richtig. Sie sehen nicht die ganze Straße auf einmal und lassen sich von der Fülle an Problemen beeindrucken. Nein, sie lösen ein Problem nach dem anderen. Besenstrich, Atemzug, Besenstrich. Genauso muss man es machen. Dann hat man die ganze Straße geschafft, dann gerät man nicht außer Puste. Doch beim Ende bin ich ganz deiner Meinung.


Solange ich atme (Breathe)
Jahr: 2017
Land: UK
Regie: Andy Serkis
Darsteller: Andrew Garfield, Claire Foy, Hugh Bonneville, Tom Hollander

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