Shaun of the Dead

Shaun of the Dead

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Darum geht es

Shauns (Simon Pegg) Freundin Liz (Kate Ashfield) hat sich von ihm getrennt. Zudem geschehen zunehmend seltsamere Dinge in seiner Heimatstadt. Shaun ist aus seinem Umfeld scheinbar der einzige, der es rechtzeitig bemerkt: Die Bürger Londons verwandeln sich in Zombies. Doch anstatt sich zu Hause einzubunkern, wie es die Nachrichten empfehlen, entwickelt er einen Plan. Zusammen mit seinem besten Kumpel Ed (Nick Frost), Liz und deren Freunden Dianne (Lucy Davis) und David (Dylan Moran) kämpfen sie sich durch die Stadt, um ihren Zufluchtsort zu erreichen: Shauns Lieblingspub, das Winchester.


Die Cornetto-Trilogie

Der Regisseur Edgar Wright und Simon Pegg hatten zwar auch schon vorher miteinander zu tun gehabt, doch war dies ihr erster gemeinsame Kinofilm. Außerdem war er ein wichtiger Meilenstein für die Karriere der beiden sowie für Nick Frost. Nach Shaun of the Dead folgten noch zwei weitere Filme mit dem Trio, die zur sogenannten Blood-and-Ice-Cream- bzw. Cornetto-Trilogie gehören: Hot Fuzz und The World’s End. Zwischen ihnen besteht zwar kein inhaltlicher Zusammenhang, doch gibt es wiederkehrende Elemente wie z.B. die Nebendarsteller und eben auch, dass jedesmal ein Cornetto-Eis gegessen wird. An sich bin ich kein Fan von Zombie-Filmen. Da dieser aber eine besondere Bedeutung für die Beteiligten hat, wollte ich ihn der Vollständigkeit halber auch ansehen und bewerten.


Herausragender Schnitt

Edgar Wrights Spezialität ist ein extrem ausgefeilter Schnitt. Dieser ist wiederum nur möglich, da er sich bereits vor dem Dreh ausführliche Gedanken über die Kameraführung, die Choreografien der Schauspieler und das Zusammenspiel mit der Musik Gedanken gemacht hat. Dies ist sein erster Kinofilm und schon hier geht er sehr gekonnt mit diesen Stilmitteln um. Deutlich wird das v.a. bei Einstellungen, die entweder über sehr lange Zeit ohne Schnitt auskommen oder in denen die Bewegungen wie in einem Musical auf die Musik abgestimmt sind. Sowohl die Schritte der Schauspieler als auch der Crew hinter der Kamera müssen genauestens durchgeplant sein, damit bei einer Aufnahme, die mehrere Minuten dauert, keine Fehler passieren und jede Person zur rechten Zeit am richtigen Ort steht. Diejenigen von euch, die Baby Driver kennen, wissen, dass sich die Leidenschaft des Regisseurs für Musik über die Jahre noch weiter gesteigert hat. In diesem rasanten Gangsterfilm spielt der Soundtrack eine essentielle Rolle sowohl für die Geschichte als auch für die Produktion.
Ebenfalls beeindruckend sind Bei Shaun of the Dead die kurzen Momente, in denen innerhalb von ein bis zwei Sekunden mehrere Bilder hintereinander gezeigt werden. Das ist nicht einfach konfuser Schnitt, um das Tempo auf künstliche Weise zu erhöhen. Das ist gekonnte Assoziationsmontage. Wright weiß, dass kurz eingeblendete Bilder in der richtigen Reihenfolge reichen, damit der Zuschauer sich den Rest in seinem Kopf ausmalen kann. Wenn beispielsweise jemand ein Haus betritt, würde das bei Wright ungefähr wie folgt aussehen:
eine halbe Sekunde Schlüssel ins Schloss stecken, eine halbe Sekunde Tür zuknallen, und noch ne halbe Sekunde wie derjenige sich hinsetzt.
Das reicht. Es wäre unnötig zu zeigen, wie der Schlüssel im Schloss rumgedreht wird, die Person die Türklinke runter drückt, die Tür aufschiebt, zumacht, die Jacke aufhängt, Schuhe auszieht, usw.
Der Regisseur nutzt hier seine Fähigkeiten, um den Zuschauer gekonnt mit ins Geschehen hinein zu holen.


Einwandfreies Casting

Auch die Darsteller wurden gekonnt in Szene gesetzt. Durch die Bank weg, egal ob Hauptdarsteller oder Statist, spielen alle ihre Rollen sehr glaubhaft. Simon Pegg als Shaun ist genial. Der Humor zündet in den meisten Momenten. Doch auch hier muss die Wichtigkeit des Schnitts betont werden. Viele Lacher entstehen dadurch, dass dieser so durchdacht ist. Besonders eindrucksvoll ist die Chemie zwischen dem Hauptdarsteller und Nick Frost. Sie wirken wie Brüder. Es entsteht der Eindruck, als hätten sie schon ihr ganzes Leben lang zusammen Filme gedreht. Auch die anderen Darsteller überzeugen, besonders Bill Nighy als der unsympathische Stiefvater, der schon vor seiner Verwandlung an einen Untoten erinnert.
Selbst die Statisten, also die Zombies, sind einwandfrei in Szene gesetzt. Das Make-Up, die Bewegungen der Darsteller und die Soundeffekten erwecken sie zum Leben.


Enttäuschendes Ende

Der größte Minuspunkt des Films ist für mich allerdings der Showdown. Die Zeit außerhalb der Bar ist clever, lustig und einfallsreich inszeniert. Ab dem Moment, als sie das Winchester betreten, zieht sich der Rest in die Länge. Dadurch, dass sich immer mehr in Zombies verwandeln, gewinnt der Film leider nicht an Spannung. Bei mir wirft das eher die Frage auf: „Schon wieder? Wann hört das Ganze denn auf?“ Die Masse an Action und Effekten ist für mich nicht entscheidend für ein gutes Finale. Wichtiger finde ich, was mit den einzelnen Charakteren passiert. Sicher, Shaun musste durch den Verlust seiner Freunde und seiner Mutter einiges durchmachen. Doch wurde das recht leichtfertig abgehandelt. Kaum hat sich seine Mama verwandelt, wurde sie nur noch als Feind angesehen. An der Stelle kommt auch eines der Probleme zur Geltung, das ich generell mit diesen Filmen habe: sobald jemand ein Zombie geworden ist, wird er getötet. Welche Rolle er vorher für den Protagonisten gespielt hat, ist nicht mehr von Bedeutung. Auch wird nicht versucht, ihn in der Hoffnung auf eine Heilung zu beschützen. Da in der Bar gefühlt mehrfach das gleiche passiert und nur wenig Entwicklung stattfindet, hat mich dieser Part enttäuscht.

Meine Bewertung

Die ersten zwei Drittel sind clever inszeniert und hervorragend geschnitten. Hier lässt der Regisseur seinen Ideen freien Lauf. Die geniale Kameraführung und die top besetzten Schauspieler bringen diese kreativen Einfälle gut rüber. Doch das letzte Drittel und das Ende sind leider enttäuschend. Shaun of the Dead bekommt

Drei von Fünf Besen

Beppos Fazit

Beppo: Wenn ich auf meiner Route einen bestimmten Platz sauber mache, begegne ich immer einer Frau, die total fertig aussieht. Ich glaube, sie arbeitet in einem der Büros dort, das würde ich zumindest von der Kleidung und ihrem Aktenkoffer her denken. Jedenfalls scheint sie keine Freude an ihrem Job zu haben. Schon am Morgen sieht sie müde aus. Letztens habe ich ihr einen guten Morgen gewünscht, doch sie hat gar nicht reagiert. Sie war scheinbar mit ihren Gedanken schon mitten im Wust der Anforderungen. Die Frau scheint darin gefangen zu sein – wie die Zombies in dem Film. Für diese gab es ja keine Heilung. Doch ich hoffe sehr, dass es für sie einen Weg aus dieser Situation gibt. Ich wünsche ihr, dass sie neue Hoffnung bekommt und wieder Freude am Leben hat.

Shaun of the Dead
Jahr
: 2004
Land: UK, Frankreich
Regie: Edgar Wright
Darsteller: Simon Pegg, Nick Frost, Kate Ashfield, Bill Nighy

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