Shape of Water

Shape of Water

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Darum geht es

Elisa (Sally Hawkins) und Zelda (Octavia Spencer) arbeiten als Reinigungskräfte in einem Hochsicherheitslabor. Eines Tages entdecken sie, dass in einem Wassertank ein mysteriöses Wesen (Doug Jones) gefangen gehalten wird, an dem der grausame Sicherheitschef Strickland (Michael Shannon) Experimente durchführt. Während ihrer Arbeit erkennt Elisa immer mehr Gemeinsamkeiten zwischen sich und dem Fisch-Menschen. Als sie erfährt, dass dieser in Lebensgefahr schwebt, plant sie, ihn zu befreien.


Beeindruckend gefilmt

Zuerst war ich geblendet von der visuellen Schönheit des Films. Die Kameraführung ist atemberaubend. Es gibt viele lange Takes, in denen die Kamera stets in Bewegung ist. Das wiederum bedeutet, dass dem eine extrem detaillierte Planung zugrunde liegt. Bei solch komplexen Einstellungen muss jeder Schritt sitzen: die Schauspieler, aber auch Licht-, und Ton-Leute müssen zu genau der richtigen Zeit am richtigen Ort sein, damit die Aufnahme funktioniert. Diese Vorgehensweise finde ich wesentlich eindrucksvoller, als wenn Szenen aus lauter kurzen Momenten schnell zusammen geschnitten sind und dadurch auf künstliche Weise Action und Effekte erzeugt werden. Außerdem stecken sehr viele Einzelheiten in den Bildern. Die Kulissen sind wahnsinnig detailliert und die gewählten Farben passen perfekt zum Film (wobei vor allem Grün eine besondere Bedeutung hat).
Auch die Machart des Fisch-Manns ist beeindruckend. Doug Jones steckt nicht in einem Motion-Capture-Anzug, sondern in einem maßgeschneiderten Kostüm. Es wurden zwar im Nachhinein noch vereinzelt Effekte auf ihn draufgelegt, doch die Figur an sich wurde real aufgenommen.
Auch Sally Hawkins als stumme Protagonistin hat mich sprachlos gemacht. Sie hat diesen Blick, der einen glauben lässt, sich in einem Märchen zu befinden. Die junge Frau nimmt die Welt mit anderen Augen wahr als ihre Mitmenschen. Es scheint so, als lebe sie in einem Film – oder zumindest darüber, denn schließlich befindet sich ihre Wohnung über einem Kinosaal. 
Ihre Ausstrahlung wird hervorragend durch die Musik ergänzt. Ohne die Kompositionen von Alexandre Desplat wäre ihr Schauspiel weniger wirkungsvoll. Umgekehrt würde die Musik ohne ihre darstellerischen Fähigkeiten sehr aufgesetzt wirken. Doch in Kombination ergibt beides ein tolles Gesamtwerk.
Die Mühen haben sich auch gelohnt, denn der Film hat etliche Preise gewonnen, hauptsächlich für Regie, Szenenbild und Musik. Für den Oscar wurde er 13 mal nominiert (darunter auch Sally Hawkins als beste Hauptdarstellerin). Gewonnen hat er vier Stück nämlich für das Szenenbild, die Musik, die Regie und als bester Film 2018.


Schwacher Schurke

Doch wie anfangs erwähnt, war ich von der Machart des Films geblendet. Diese ist zwar hervorragend, die Geschichte jedoch ist es nicht. Einen besonders großen Minuspunkt stellt der Bösewicht dar. Michael Shannon spielt wie immer sehr gut, doch ist das Drehbuch bezüglich seiner Rolle mangelhaft. Anfangs wird er als brutaler Sicherheitschef dargestellt, der die Schwachen quält und dem seine Mitmenschen, selbst seine Familie, egal sind. Im Mittelteil jedoch macht er kaum mehr, als im Büro zu sitzen und auf Bildschirme zu schauen. Zum Ende hingegen wird seine anfängliche Brutalität um ein vielfaches gesteigert. Über den ganzen Film durchläuft er weder eine sonderlich große Entwicklung, noch erhält er viel Tiefe, doch auf einmal explodiert seine Grausamkeit geradezu. Hätten wir mehr über ihn erfahren, wäre er ein spannenderer Antagonist geworden und hätte somit dem ganzen Film mehr Kraft verliehen.


Alles schon mal da gewesen

Zweites großes Manko ist in meinen Augen die fehlende Originalität. Der Film ist ohne Frage eindrucksvoll und mit viel Liebe und Aufwand produziert. Doch vieles daraus kommt einem bekannt vor. Die märchenhafte Ausstrahlung erinnert stark an Die fabelhafte Welt der Amelié. Das liegt zum Einen an Sally Hawkins, deren Mimik stark an die von Audrey Tautou erinnert. Zum anderen trägt die Musik einen großen Teil zu der Atmosphäre bei. Von beiden Filmen ähneln sich die Soundtracks sehr, was nicht zuletzt wahrscheinlich an der Herkunft des Komponisten Alexandre Desplat liegt, der wie Yann Tiersen aus Frankreich stammt.
Auch inhaltlich fühlte ich mich während dem Schauen stark an ein anderes Werk erinnert, nämlich The Green Mile. In beiden Filmen geht es darum, dass sich jemand, der anders ist als die anderen, in Gefangenschaft befindet und seiner Hinrichtung entgegen blickt. Manche aus deren Umgebung können mit dieser Andersartigkeit nicht umgehen und unterdrücken die entsprechenden Personen deshalb. Ebenso haben sowohl der Fischmann als auch John Coffey (Michael Clarke Duncan) besondere Fähigkeiten, mit denen sie andere heilen können.
Die offensichtlichste Ähnlichkeit allerdings besteht zu dem niederländischen Kurzfilm The Space between Us, der 2015 (zwei Jahre vor Shape of Water) veröffentlicht wurde. Auch hier geht es um eine Putzfrau, die ein fischähnliches Wesen aus einer streng bewachten Einrichtung befreit. Guillermo del Toro behauptet zwar, dass er dieses Werk erst sehr viel später gesehen habe, doch bei diesen offensichtlichen Parallelen fällt es einem schwer, dies zu glauben.


Außergewöhnliche Figur, schwacher Charakter

Trotz seiner Herkunft aus dem Ozean besitzt der Amphibien-Mann nicht viel mehr Tiefe als ein kleiner Teich. Er scheint eher zweckdienlich eingesetzt zu werden: zum Einen, damit durch ihn die Botschaften des Films vermittelt werden können, zum Anderen, um als Partner von Elisa zu dienen. Doch fast die ganze Zeit über ist er passiv und reagiert nur auf die Aktionen anderer, anstatt, dass er selber etwas initiiert. Visuell ist er beeindruckend, doch als Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist er recht uninteressant dargestellt.


50 Shapes of Water

Außerdem finde ich die Menge an Brutalität sowie an nackter Haut übertrieben. Ich könnte beides nachvollziehen, wenn die Charaktere eine gewisse Tiefe hätten. Dann könnten diese Stilmittel dafür genutzt werden, um die Entwicklungen der Figuren darzustellen und ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Da dies aber nicht der Fall ist, wirkt beides aufgesetzt und gibt der ganzen Geschichte keinen Mehrwert.


Meine Bewertung

Der Film vermittelt wertvolle Botschaften über Toleranz gegenüber andersartigen Menschen und Wesen. Visuell ist er beeindruckend und wurde sehr aufwendig inszeniert. Sobald Kulissen, Action und Fantasy-Figuren in echt am Set gefilmt werden, finde ich das immer faszinierender als am Computer erstellte Grafiken und Animationen. Außerdem gibt es rein visuell viel zu entdecken. Doch die nicht so spannend erzählte Geschichte und teils flachen Charaktere ziehen den Film unter Wasser. Insgesamt gebe ich Guillermo del Toros Werk

Drei von Fünf Besen

Beppos Fazit

Beppo: Letztens war ich im Baumarkt und wollte einen neuen Besen für die Arbeit kaufen. Daneben standen noch alle möglichen anderen Teile für die Straßenreinigung. Doch das war mir alles zu modern. Ein einfacher, klassischer Besen reicht mir völlig aus, um meine Straße zu fegen. Wenn ich so viele Jahrzehnte damit klargekommen bin, warum sollte ich das auf einmal ändern? Ja, in diesem Fall sind mir fremde Dinge auch ein Dorn im Auge. Doch Menschen gegenüber sollten wir immer offen sein, egal wie komisch sie uns auch erscheinen. Oft können daraus wunderbare Beziehungen entstehen. Womöglich ist es auch mit dem ganzen Zeug im Baumarkt so – doch beim Fegen bleibe ich bei meinem geliebten alten Besen.


Shape of Water: Das Flüstern des Wassers (The Shape of Water)
Jahr: 2017
Land: USA
Regie: Guillermo del Toro
Darsteller: Sally Hawkins, Octavia Spencer, Michael Shannon, Doug Jones, Richard Jenkins

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