Learning to Drive

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Darum geht es

Tagsüber ist Darwan (Ben Kingsley) Fahrlehrer, nachts arbeitet er als Taxifahrer. Eines Abends steigt ein streitendes Ehepaar bei ihm ein. Nach einer heftigen Diskussion wird es Ted (Jake Weber) zu viel und er lässt Wendy (Patricia Clarkson) allein im Auto sitzen. Die nächsten Tage ist sie völlig fertig. Als ihre Tochter Tasha (Grace Gummer) zu Besuch kommt, lädt sie ihre Mutter ein, sie mal zu besuchen. Das könnte sich als schwierig erweisen, da immer Ted gefahren ist und sie keinen Führerschein hat. Zufälligerweise begegnet sie kurz darauf Darwan. Da beschließt sie, bei ihm Fahren zu lernen. Dieser Unterricht hilft ihr nicht nur, ein Auto zu steuern. Er ist sowohl für die Schülerin als auch für den Lehrer eine Schule fürs Leben.


Learning to Live

Bei dem Titel habe ich damit gerechnet, dass die Fahrschule im Mittelpunkt des Films stehen wird und dass Wendy von Darwan wertvolle Ratschläge fürs Leben mit auf den Weg bekommt. Diese hätten z.B. so lauten können:
„Das Leben ist wie eine Straße, auf der wir fahren. Wir müssen uns dabei stets konzentrieren, damit wir nicht vom Weg abkommen oder einen Unfall bauen.“
Zweimal gibt er ihr sogar wirklich solche Tipps, damit sie sich mehr konzentrieren und mit ihrer Angst besser umgehen kann.
Von diesen Ratschlägen hätte ich gerne mehr gehört. Doch leider kommt davon zu wenig. Die einzelnen Fahrstunden sind viel zu kurz. Wir bekommen immer nur ca. ein bis zwei Minuten Unterricht zu sehen, danach wird was anderes gezeigt. Wir sehen Wendy, die ihrem Ex hinterher trauert und danach auf der Suche nach einem neuen Freund ist.
Interessanter ist die Handlung um Darwan und seine Ehefrau Jasleen (Sarita Choudhury), die er erst kurze Zeit vor seiner Hochzeit mit ihr kennen gelernt hat. Anfangs kritisiert er sie ständig und behandelt sie wie ein Kind. Er ist mit ihrer Art zu kochen unzufrieden und damit, dass sie nur zu Hause ist. Sie könnte doch viel mehr lernen, wenn sie raus gehen würde. Doch durch den Unterricht lernt auch er dazu. Er fängt an zu verstehen, dass an einer funktionierenden Ehe zwei Leute beteiligt sind.
Dieser Handlungsstrang war durchaus interessant. Das Problem dabei war allerdings, dass er erst im letzten Drittel des Films losging. Besser hätte ich es gefunden, wenn die beiden direkt am Anfang geheiratet hätten. Dann hätte diese Handlung parallel zu den Fahrstunden laufen können. Die Regisseurin hätte viel mehr darauf eingehen können, welche Auswirkungen die Fahrstunden auf Darwan und seine Ehe haben.
Stattdessen wird in der ersten Hälfte seine WG mit illegalen Einwanderern gezeigt. Welchen Mehrwert dieser Handlungsstrang für die Geschichte bietet, ist mir nicht klar.
Auf Wendys Seite hätte ich gerne mehr von der Beziehung zu ihrer Tochter gesehen. Diese war es schließlich, die ihre Mutter zum Fahren lernen angeregt hat. Das hätte ich interessanter gefunden als Wendys Männergeschichten. Doch letztendlich blieb die Tochter nur ein Element, um die Handlung, im wahrsten Sinne des Wortes, ins Rollen zu bringen. Für mehr wurde sie kaum genutzt.


Ben Kingsley

Überrascht hat mich außerdem die realistische und detaillierte Darstellung von Darwans Leben. Ich bin davon ausgegangen, dass er als weiser und mysteriöser Mentor dargestellt wird. Das hätte zur Folge gehabt, dass wir nicht so viel über ihn erfahren hätten. Doch kommen wir ihm über den Film so nah, dass wir sogar seine Macken kennen lernen. Diese Makel machen ihn zwar weniger inspirierend und lassen ihn zeitweise unsympathisch erscheinen. Dafür wirkt er dadurch sehr authentisch.
Ben Kingsley passt perfekt in die Rolle des Fahrlehrers. Beim Schauen habe ich gar nicht darüber nachgedacht, dass er schon über 100 andere Rollen gespielt hat. Er ist einer der Schauspieler, die es schaffen, sich nicht in eine Schublade stecken zu lassen. In seinen Filmen seh ich nicht Ben Kingsley, sondern die Rolle, die er verkörpert.
Auch die anderen Darsteller sind passend gewählt. Sie füllen ihre Rollen gut aus und bringen sie glaubhaft rüber.


Meine Bewertung

Wenn der Film einen roten Faden hätte und nicht so viele Sachen nur anschneiden würde, hätte er mir besser gefallen. Doch die Menschlichkeit der Figuren, deren Moral und vor allem der Hauptdarsteller retten diesen Film. Ich gebe ihm

Zwei 1/2 von Fünf Besen


Beppos Fazit

Beppo: Früher habe ich öfter mal in der Straße von einem Fahrlehrer gefegt. Wenn er gerade am Schreibtisch saß und mich durchs Fenster gesehen hat, kam er raus, hat sich an die Hauswand gelehnt und sich eine Zigarette angezündet. Und dann hat er angefangen zu erzählen. Auf der Straße hat er schon alles mögliche erlebt. Einmal, als ein Tier vorm Auto lang huschte, hat sich seine Fahrschülerin so erschrocken, dass sie das Gaspedal fest durchgedrückt hat. Für einen kurzen Moment hat er sich auch erschrocken. Doch dann hat er natürlich gebremst. Was er dann gesagt hat, habe ich nicht vergessen:
„Beppo, manchmal geraten wir auf der Straße ganz schön ins Schleudern. Da ist es gut, wenn es noch jemanden gibt, der die Kontrolle über das Auto behält.“


Learning to Drive – Fahrstunden fürs Leben (Learning to Drive)
Jahr: 2014
Land: USA
Regie: Isabel Coixet
Darsteller: Ben Kingsley, Patricia Clarkson, Sarita Choudhury, Grace Gummer

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