Joy

Joy

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Darum geht es

Joy (Jennifer Lawrence) ist eine ganz gewöhnliche Hausfrau, die einem normalen Job nachgeht und mit ihrer Familie in einem schönen Haus wohnt. Klingt erstmal nach einem ruhigen und idyllischem Leben. Doch hinter den Kulissen sieht es ganz anders aus. Ihre Familie ist die wohl verkorksteste, die man sich vorstellen kann. Neben ihr und ihren Kindern leben ihr Ex-Mann (Edgar Ramírez), ihre geschiedenen Eltern und ihre Oma (Diane Ladd) mit ihr zusammen. Ihre Mutter (Virginia Madsen) sitzt den ganzen Tag vorm Fernseher und schaut Seifenopern. Ihr Ex und ihr Vater (Robert De Niro) wohnen zusammen im Keller, jeder in seinem, durch Klopapier abgetrennten, Bereich. Unterstützung erfährt sie von den anderen kaum. Nur Joys Oma vermittelt ihr, dass sie an sie glaubt – und an ihre Träume. Als Kind hat sie leidenschaftlich gerne gebastelt und Sachen erfunden. Mit der Zeit wurde ihr Leben jedoch immer komplizierter. Jetzt meistert sie nur noch den Alltag und wischt den Dreck der anderen weg. Ihre eigenen Wünsche hat sie vergessen. Doch in ihr schlummert noch diese Erfindungsgabe – und eine Idee nimmt langsam Gestalt an.


Meine Meinung

Dieser Film hat mich überrascht und irgendwie auch fasziniert. Er hat es geschafft, mich über die gesamte Laufzeit zu fesseln. Auch in den Momenten, in denen nichts großartiges passiert, hält er die Spannung. Das liegt hauptsächlich an den sehr gut ausgearbeiteten und perfekt besetzten Figuren. Sie tragen den Film und verwandeln selbst langweilige Themen in spannende Angelegenheiten. Wer hätte gedacht, dass ein Wasserrohrbruch, eine Verkaufssendung, Betriebswirtschaft und Wischmops so unterhaltsam sein könnten?
Der Film braucht zwar etwas Zeit, bis er in die Gänge kommt, doch dann nimmt er immer mehr an Fahrt auf. Ich fand es sehr spannend zu sehen, wie sich Joy in der Branche durchsetzt. Die zuerst zurückhaltende Protagonistin verwandelt sich zunehmend in eine selbstbewusste Geschäftsfrau. Sie weiß sich immer mehr gegen die Ungerechtigkeiten in der Branche zu wehren. Gleichzeitig sorgt ihre Familie für einige lustige Szenen. Besonders amüsant fand ich die Mutter. Anfangs sitzt sie die ganze Zeit vor der Glotze und will aus Angst vor Männern das Haus nicht verlassen. Später jedoch kommt sie mit dem Klempner zusammen, der ganz neue Seiten in ihr weckt.
Alles andere als lustig ist das Trio von Joys Vater, seiner Freundin und der Halbschwester Peggy (Elisabeth Röhm). Ihre harten, fast schon gemeinen Kommentare bringen einen regelmäßig zum Kochen. Die ganze Zeit geben sie Joy Ratschläge, wie sie ihr Produkt herstellen und verkaufen soll. Sie halten sich für die größten Geschäftsleute überhaupt, arbeiten jedoch in einer heruntergekommenen Fabrik, die nicht sonderlich gut läuft. Dank des sehr guten Drehbuchs und der hervorragenden Schauspieler sind diese Charaktere alle sehr spannend und unterhaltsam.


Einwandfreies Casting

Robert De Niro als wenig einfühlsamer Vater und Geschäftsmann, Elisabeth Röhm als neidische Halbschwester Peggy, Edgar Ramírez als liebevoller Ex-Mann und Virginia Madsen als eigenartige Mutter – sie alle überzeugen in ihren Rollen. Besonders hervorheben möchte ich Cristy. Das kleine Mädchen, das ihrer Mutter mit Rat und Tat zur Seite stand, wurde perfekt besetzt – und das gleich mit zwei Darstellerinnen, nämlich den Zwillingen Aundrea und Gia Gadsby.
Aber am herausragendsten war die Hauptdarstellerin selbst. Jennifer Lawrence hat es geschafft, Joys Wandel so glaubhaft darzustellen, dass ich zu keiner Zeit darüber nachdachte, dass sie nur eine erfundene Figur ist. Genauso unglaublich ist Bradley Cooper als Chef der Verkaufssendung QVC. Wenn er von der Produktion seiner Show erzählt – von den Drehbühnen, den Kameraeinstellungen und den Händen – und dabei mitreißende Tango-Musik läuft, könnte man meinen, er erzähle vom schönsten Ort auf Erden. Seine Augen strahlen so viel Leidenschaft aus. Die Szene, in der er mit Jennifer Lawrence zusammen eine Sendung ausstrahlt und sie für ihr Produkt dieselbe Hingabe entwickelt wie er für die Sendung, war für mich der emotionale Höhepunkt des Films. Ich wusste bis zu diesem Zeitpunkt nicht, dass Wischen so aufregend sein kann. Joy war zu der Zeit seiner Premiere der vierte gemeinsame Film dieser beiden Darsteller – und das sieht man. Die Chemie der beiden Schauspieler ist hervorragend!


Kostüm & Musik

Die Atmosphäre wird sehr stimmungsvoll von der Musik und den Kostümen eingefangen. Joys Kleidung passt immer genau zu ihrem Gefühlszustand. In den ersten Jahren als Geschäftsfrau trägt sie ganz normale Haushaltskleidung. Sie fühlt sich noch nicht so sicher und selbstbewusst. Außerdem möchte sie beim Verkauf ihres Produkts sich so präsentieren wie sie ist – und das drückt sie durch eine einfache Hose mit Bluse aus. Später wird sie selbstbewusster, setzt sich immer öfter durch und steht für ihre Rechte ein. Dieser Wandel schlägt sich unter anderem in einer Lederjacke nieder.
Der Soundtrack besteht wie bei Guardians of the Galaxy nicht nur aus instrumentaler Musik, sondern auch aus ausgewählten Liedern wie z. B. I feel free von Cream oder Something Stupid (gesungen von Jennifer Lawrence und Edgar Ramírez). Die Songs sind gut gewählt und unterstreichen die Stimmung der jeweiligen Szene hervorragend.


Meine Bewertung

Einen Kritikpunkt an dem Film habe ich jedoch. Joys Kämpfe sind etwas zu ausführlich dargestellt. Mich inspirieren zwar Geschichten von Menschen, die nicht aufgeben. Von Leuten, die Träume haben und sie trotz aller Widerstände in die Tat umsetzen. Doch gleichzeitig ist es ein Drahtseilakt, beides, die Kämpfe und die Siege, in Balance zu halten. Wird das Positive zu stark dargestellt, könnte der Film ins Kitschige abrutschen. Wird das Negative zu sehr betont, läuft er Gefahr, kaum inspirierender zu werden als die Nachrichten. Joy schrammt knapp an letzterem Fall vorbei. Da es aber ein Happy End gibt, die Charaktere sehr gut ausgearbeitet und dargestellt sind und der Film mich emotional berührt hat, gebe ich ihm

Drei 1/2 von Fünf Besen


Beppos Fazit

Beppo: Ich finde es großartig, dass Joy nicht aufgegeben hat. Wie viele schmeißen den Besen, oder in ihrem Fall den Wischmop, hin, bevor sie das Ziel erreicht haben? Manche lassen sich nur wenige Meter davor von Hoffnungslosigkeit überwältigen. Dabei hätten sie nur noch einen oder zwei Schritte gehen müssen. Sie hat bis zum Schluss durchgehalten – und dann auch noch anderen geholfen, ihren Zielen näher zu kommen. Von ihr kann man auf jeden Fall Einiges lernen.


Joy: Alles außer gewöhnlich (Joy)
Jahr: 2015
Land: USA
Regie: David O. Russell
Darsteller: Jennifer Lawrence, Bradley Cooper, Robert De Niro

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Anja

    Hi, coole Review! Ich sehe Wischmopps nach diesem Film mit ganz anderen Augen.

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