Ich. Darf. Nicht. Schlafen.

Ich. Darf. Nicht. Schlafen.

  • Beitrags-Autor:
  • Beitrags-Kommentare:0 Kommentare


Darum geht es

Christine (Nicole Kidman) wacht eines Morgens in einem Bett neben einem Mann (Colin Firth) auf. Sie weiß nicht, wo sie ist und was zuletzt passiert ist – sie kann sich einfach an nichts erinnern. Der Fremde gibt sich als ihr Ehemann Ben zu erkennen. In ihrer Wohnung entdeckt sie verschiedene Hinweise, die sie dort für sich selbst als Erinnerungsstütze platziert hat. Ihr Arzt Dr. Nasch (Mark Strong) möchte ihr helfen, zu sich selbst zurück zu finden. Nach und nach entdeckt sie, wer sie ist und warum sie sich an nichts erinnern kann. Gleichzeitig wächst ihr Unbehagen, wenn sie in Bens Nähe ist. Kann sie ihm vertrauen?


Viel Potential

Diese Buchverfilmung verfolgt einen sehr interessanten Ansatz. Das Spiel mit Traum und Realität, Lüge und Wahrheit, Vergessen und Erinnern wurde schon in vielen anderen Filmen spannend und clever umgesetzt: Inception, Flight Plan, Memento, 50 erste Dates. Der Film wirkt wie eine Mischung der beiden zuletzt Genannten. Genauso wie bei Drew Barrymores Figur ist Christines Gedächtnis nach dem Aufwachen gelöscht. Übereinstimmend mit Guy Pearce‘ Charakter aus Memento hinterlässt sie Botschaften an sich selbst – nur sind es in diesem Fall keine Tattoos, sondern kleine Videos. So unterhaltsam und vielschichtig ich die anderen beiden Werke finde, so enttäuscht bin ich leider von diesem hier.


Meine Meinung

Das größte Problem liegt meines Erachtens nach in dem verschenkten Potential. In der ersten Hälfte werden mehrere Fragen in den Raum geworfen. Doch anstatt den Zuschauer über längere Zeit im Unwissen zu lassen und dadurch Spannung aufzubauen, werden fast alle davon innerhalb von fünf Minuten beantwortet. Betrachten wir zum Beispiel den Anfang. Christine wacht auf und ist sichtlich verwirrt. Sie kennt weder die Identität des Mannes neben ihr noch ihre eigene. Dann sieht sie die Fotos, die überall hängen. Da dachte ich: „Das könnte interessant werden. Ich bin genauso ratlos wie diese Frau und kann nun mit ihr nach Antworten suchen.“ Doch direkt nach diesem Gedanken kommt der Mann zu Wort und erklärt ihr, was los ist. Schade! Die ganzen aufgeworfenen Fragen innerhalb von einer Minute gelöst. Kurze Zeit später ruft Dr. Nasch an und erzählt ihr von der Kamera in ihrem Kleiderschrank. Da dachte ich: „Woher weiß dieser Mann, was sich in ihrem Schrank befindet? Kann man ihm vertrauen?“. Wieder ca. fünf Minuten später kommt eine Antwort durch eine Rückblende. Dr. Nasch sitzt mit ihr im Auto und erklärt ihr, wie die Kamera ihr helfen kann. So ging das die ganze Zeit. Jede aufkommende Spannung wurde im Keim erstickt. Dadurch wurde die erste Hälfte immer langweiliger. Erst nachdem die mysteriöse Claire (Anne-Marie Duff) ins Bild kam und mehr über Bens wahre Identität ans Licht kommt, nimmt der Film an Fahrt auf. An dieser Stelle hat er mich wirklich gepackt. Das Ende hingegen war schlichtweg enttäuschend. Diese interessante Ausgangssituation hätte eine anspruchsvolle und tiefgründige Auflösung verdient gehabt. Hätte dazu Colin Firth‘ Figur tiefgründigere Motive gehabt, wäre das in meinen Augen der bessere Film geworden. Was hätte wohl Christopher Nolan aus diesem Material gemacht?


Schauspieler

Schauspielerisch ist der Film solide. Nicole Kidman, Colin Firth und Mark Strong sind alle sehr gute Darsteller, die bereits großartige Rollen verkörpert haben. Außerdem haben sie schon früher erfolgreich zusammen gearbeitet (wie in Kingsman oder The Railway Man). Das Problem ist das Drehbuch. Es gibt einfach nicht viel her, womit sie hätten arbeiten können. Doch aus dem Bisschen, was sie bekommen, machen sie das Beste. Besonders Anne-Marie Duff konnte mich in der Rolle der mysteriösen Claire überzeugen. Obwohl sie nur sehr wenig Zeit im Film bekommt, hinterlässt sie einen positiven Eindruck. Anders als Dean-Charles Chapman, dessen Darstellung als Christines Sohn Adam keine Sympathie hervorrufen kann.


Meine Bewertung

Dieser Thriller hätte so gut werden können. Am Anfang hat er wirklich große Hoffnungen in mir geweckt. Auch wenn ich schon etliche Filme dieser Art gesehen habe, bin ich immer wieder bereit, mich von einem weiteren begeistern zu lassen – vorausgesetzt er ist gut gemacht und erzählt. Doch das ist hier leider beides nicht der Fall. Da er mich immerhin über einen Teil der Strecke gut unterhalten hat, bekommt Ich. Darf. Nicht. Schlafen. von mir

Zwei 1/2 von Fünf Besen


Beppos Fazit

Beppo: Christine tat mir wirklich sehr leid. Jeden Tag seinen Erinnerungen hinterher rennen zu müssen, kostet viel Zeit – und Vertrauen in die Menschen in ihrer Umgebung. Dass sie verzweifelt war, kann ich verstehen. Umso mehr hat es mich gefreut, dass sie am Ende wieder mit denen zusammen gekommen ist, die ihr etwas bedeuten. Endlich kann sie wieder aufatmen und ihr Leben voll auskosten.


Ich. Darf. Nicht. Schlafen. (Before I Go to Sleep)
Jahr: 2014
Land: USA
Regie: Rowan Joffe
Darsteller: Nicole Kidman, Colin Firth, Mark Strong

Schreibe einen Kommentar

13 + 15 =