Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung

Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung

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Darum geht es

Der Planet Naboo wird von der Handelsföderation belagert. Die Königin Amidala (Natalie Portman) schafft es, dank der zwei Jediritter Qui-Gon Jinn (Liam Neeson) und Obi-Wan Kenobi (Ewan McGregor) der Situation zu entkommen. Sie fliehen gemeinsam nach Tatooine. Auf der Suche nach Ersatzteilen für ihr Schiff begegnen sie Anakin Skywalker (Jake Lloyd), der ihnen mit seinen besonderen Fähigkeiten dabei behilflich sein könnte. Währenddessen spitzt sich die politische Situation immer weiter zu. Eine Armee von Droiden marschiert in Naboo ein und der Senator Palpatine (Ian McDiarmid) verfolgt seine ganz eigenen Pläne.


Ein neues Meisterwerk?

Nach 16 Jahren Pause kam mit Episode I im Jahr 1999 ein weiterer Teil zur Star Wars-Saga dazu. Große Hoffnungen ruhten auf ihm. Endlich wurde das bis dahin einflussreichste Franchise aller Zeiten weiter geführt. Doch konnte George Lucas mit diesem Film fortführen, was er einst aufgebaut hatte? Die Antwort lautet ganz klar: teilweise.


Die Stärken des Films

Er schafft es, einen wieder in dieses beliebte Universum zurück zu versetzen. Dabei greift er viele bereits bekannte Sachen auf und lässt den Zuschauer sich dadurch wie zu Hause fühlen. Die Waffen, wie Blaster und Lichtschwerter, die Soundeffekte, die Musik und die Charaktere ziehen einen erneut in die weit, weit entfernte Galaxie. Außerdem erzählt er durchaus eine interessante Geschichte. Wie er alle Fäden ein Stück weit zusammen führt, ist interessant zu beobachten. Alles, was den Helden widerfährt, das Gute wie auch das Schlechte, musste genau so passieren, damit letztendlich (am Ende von Episode VI) das Gleichgewicht der Macht wiederhergestellt wird. Wir alle wollen wissen, warum Anakin böse wurde und wie das Imperium entstand. Die Anfänge davon sind spannend dargestellt.


Wer ist eigentlich der Held?

Das wichtigste in jedem Film, was auch die Original-Trilogie ausgezeichnet hat, sind die Charaktere. Sie ziehen den Zuschauer ins Geschehen rein und führen ihn hindurch. In Episode IV-VI ist Luke die Identifikationsfigur. Er ist der Held, den wir die meiste Zeit über begleiten. Doch in Episode I fehlt ein eindeutiger Protagonist. Zuerst stehen Obi-Wan und Qui Gon im Mittelpunkt. Später kommen Padmé und Anakin hinzu. Jede Figur wird etwas beleuchtet, aber keine so richtig. Doch es gibt eine andere Sache, die den Film trägt: die Geschichte. Da wir alle wissen, was nach der Prequel-Trilogie passieren wird, interessiert uns nun der Weg dahin. Wir wollen wissen wie Anakin zu Darth Vader wird und wer sein Meister ist. Die Neugierde über diese Geschehnisse lässt einen eindeutigen Protagonisten zweitrangig erscheinen.


Mein Lehrer, mein Meister und Ich

Der kleine Anakin wurde mit Jake Lloyd gut besetzt. Er bringt die Rolle des Sklavenjungen, der einfach nur Freiheit für sich und sein Volk wünscht, gut rüber. Auch Ewan McGregor als junger Obi-Wan Kenobi und Natalie Portman als Königin sind eine gute Casting-Entscheidung. Wusstet ihr übrigens, dass das Double der Königin von Keira Knightley gespielt wird?
Die anderen Darsteller sind zwar ebenfalls alle sehenswert, doch bleiben sie hinter ihrem Potential zurück. Sie scheinen in diesem Teil noch etwas hilflos und schaffen es leider nicht, völlig in ihrer Rolle zu verschwinden. In der Original-Trilogie habe ich stets die Charaktere, nie die Schauspieler gesehen. Hier ist das leider nicht immer so.
Besonders hervorheben möchte ich Ian McDiarmid. George Lucas hätte irgendwen für die Rolle des Senators / des dunklen Sith‘ wählen können, da niemand das wahre Gesicht des Imperators kannte. Doch er hat denselben Mann von damals zurück geholt. Das verleiht der Figur mehr Gewicht. Die ganze Zeit befindet sich der böseste Mensch des Universums unter den Guten, doch niemand kennt seinen Plan und hält ihn auf. Wie ein kleiner Teufel sitzt er auf der Schulter der Königin und manipuliert sie. Ian McDiarmid verkörpert diesen hinterhältigen und schleimigen Politiker sehr glaubhaft.


Die Nebenfiguren

Kommen wir zu den weiteren Nebenfiguren. Da wären zum einen die Cameos von Aliens und bekannten Schauspielern zu nennen wie von Jabba, seinem Diener Bib Fortuna und von Warwick Davis. Diese Auftritte haben zwar keine große Bedeutung für die Handlung, rufen aber nostalgische Erinnerungen wach. Zum anderen sind da die Figuren, die wirklich einen Einfluss auf die Geschichte haben. Besonders hervorheben möchte ich Watto, den Sklavenhändler (Andy Secombe), und Sebulba, den Rennfahrer (Lewis Macleod). Sie wirken beide sehr echt und glaubhaft. Ihre Mimik, ihre Bewegungen und ihre Stimmen verleihen diesen beiden Gestalten Charakter. Hier zahlen sich die Mühen der Macher wirklich aus. Trotz ihrer kurzen Auftritte hinterlassen sie einen bleibenden Eindruck.
Über die Gungans, zu denen auch Jar Jar Binks (Ahmed Best) gehört, lässt sich leider nicht derart positives sagen. Er erweckt in mir zwar nicht solch dunklen Gefühle wie in manch anderen Star Wars-Fans, doch gibt es durchaus Sachen an ihm, die mich stören. Dies liegt meiner Meinung nach vor allem an dem, was nur ihn betrifft, schlecht ausgearbeiteten Drehbuch. Ich hatte bei ihm mehrmals den Eindruck, dass ihm Sätze in den Mund gelegt wurden, die er bei einem besseren Drehbuch nicht gesagt hätte bzw, dass er Dinge gemacht hat, die sehr aufgesetzt wirkten. Das beste Beispiel ist die Szene, in der er am Podracer steht, seine Zunge in den Strahl hält und andere Albernheiten macht. Das wirkte so, als wollte George Lucas unbedingt einen Lacher erzwingen und dem Zuschauer zeigen, wie lustig diese Figur ist. Hier wurde scheinbar die Qualität der Originale vergessen. Der Humor in den alten Teilen hat deshalb so gut gezündet, weil er aus den Charakteren heraus entstanden ist. Er wirkte authentisch. Doch hier wurde die Situation um die Komik drumrum geschrieben und wirkt deshalb unecht.
Es gibt aber auch positive Aspekte an Jar Jar. Sein Design ist sehr gut gelungen und die Synchronisation ist ebenfalls passend (wobei ich nur die deutsche Stimme kenne). Hierzulande wurde er von Stefan Fredrich gesprochen. Dieser ist auch die Stamm-Stimme von Jim Carrey, der besonders in den 90ern in Komödien sehr aktiv war. Die Wahl von Fredrich passt also wie die Faust aufs Auge.
Aber hauen mich die Gungans nicht vom Hocker. Dafür, dass sie in die Schlacht gegen die Droiden ziehen, haben sie viel zu wenig Tiefe. Ich hätte gerne mehr über ihre Hintergründe erfahren. Was haben sie für Wünsche, Hoffnungen, Sorgen? Wie sehen ihre Familiensituationen aus? Solche Details hätten beim Zuschauer eine stärkere emotionale Bindung hervorgerufen, was gerade für Kriegsszenen ein großes Plus darstellt. Doch so bleibt die Schlacht gegen die Droiden einfach nur ein Schaukampf der Effekte gemischt mit den Albernheiten von Jar Jar Binks.


Die dunkle Seite der Synchronisation

Ich bin generell ein großer Fan von der deutschen Synchronisation. Doch bei diesem Film wurden ein paar merkwürdige Entscheidungen bzgl. der Wahl der Sprecher getroffen. Auf eine möchte ich besonders eingehen, nämlich die Darth Sidious (Wolfgang Dehler) betreffend. Wie so gut wie alle wissen, ist er dieselbe Figur wie Kanzler Palpatine. Doch in der deutschen Version gibt es für beide Erscheinungen von ihm zwei verschiedene Sprecher. Warum haben sie nicht einfach den, der Palpatine spricht (Friedhelm Ptok), seine Stimme verstellen lassen? Das haben sich scheinbar auch die Leute im Tonstudio gefragt und haben genau das in Episode II und III gemacht. Dort synchronisiert Herr Ptok Ian McDiarmid sowohl in der Rolle als Politiker als auch in der als Sith-Lord.


Akustische Glanzleistungen

Was wäre Star Wars ohne Musik und Ton? Beides macht enorm viel aus. Gerade bei Filmen mit solch vielfältigen Waffen, Raumschiffen und Aliens ist der Sound nicht zu unterschätzen. Ein Lichtschwert ohne sein charakteristisches Brummen, ein Wookie ohne seine Laute, ein Tie-Fighter ohne Klang – all das wäre ziemlich langweilig. Wie in den alten Teilen sind die akustischen Effekte einwandfrei. An ihnen hab ich absolut nichts auszusetzen. Geradezu mehrfach übertroffen haben sich die Foleys beim Podrennen. Diese Szene kommt fast ununterbrochen ohne Musik aus. Es gibt in der ganzen Saga nur wenige Szenen, in denen das Orchester auf stumm geschaltet ist. Die Sounddesigner mussten für das Rennen also etwas erschaffen, dass so gut ist, dass niemand die meisterhaften Kompositionen von John Williams vermisst. Die Motoren, das Beschleunigen, Stottern und Bremsen, vorbeizischender Wind, Schüsse und Explosionen – die klangliche Vielfalt ist atemberaubend!
Auch John Williams fährt zumindest teilweise zu Hochformen auf. Sein Soundtrack ist nicht so vielschichtig wie zu früheren Zeiten, doch wartet er mit ein paar neuen Themen auf. Die Droidenarmee hat ein eigenes Stück bekommen, das deren bedrohliche Kampfbereitschaft sehr gut unterstreicht. Beim Schlussstück, in dem der scheinbare Sieg über die dunkle Seite gefeiert wird (bei der sich der ebenfalls anwesende Palpatine wahrscheinlich ins Fäustchen lacht), kommt richtig Partystimmung auf. Die Zusammenstellung der verschiedenen Instrumente in Kombination mit dem Lachen der Kinder erzeugt eine mitreißende und gute-Laune-machende Atmosphäre.
Doch richtig episch ist die Untermalung zum Kampf von den Jedi-Rittern mit Darth Maul. Das dazu komponierte Stück Duel of the Fates ist wirklich beeindruckend. Seine Inspiration durch Carl Orffs O Fortuna aus Carmina Burana ist zwar unverkennbar, trotzdem liefert John Williams hier ein neues Meisterwerk ab.


Meine Bewertung

Dieser Film ist voll von Politik. Auf der einen Seite ist das verständlich, denn es soll ja der Wandel von der Republik zum Imperium dargestellt werden. Auf der anderen Seite ist das nicht das, was Star Wars ausmacht. Hätten die Verhandlungen etwas weniger Raum bekommen und wären dafür die Figuren stärker ausgearbeitet, wäre dieser Film um einiges besser geworden. Da er aber trotzdem unterhaltsam und größtenteils gut gemacht ist, gebe ich ihm

Drei 1/2 von Fünf Besen


Beppos Fazit

Beppo: Es gibt Tage, an denen ich nicht weiß, wie ich die ganzen Aufgaben schaffen soll. Manchmal liegt so viel Dreck und Müll auf den Straßen, dass ich denke, das schaff ich nie im Leben. Doch in solchen Momenten der Zweifel sind mir die Jedis eine große Inspiration. Sie können von tausenden von Droiden angegriffen werden und alle Schüsse abwehren – sie bleiben trotzdem total gelassen. Das liegt daran, weil sie sich immer ganz auf diesen einen Moment konzentrieren. Ein Schuss nach dem anderen. Dann denk ich mir: Wenn zwei Jedis mit einer Armee fertig werden, dann schaff ich das auch mit der Straße.


Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung (Star Wars: Episode I – The Phantom Menace)
Jahr: 1999
Land: USA
Regie: George Lucas
Darsteller: Ewan McGregor, Liam Neeson, Natalie Portman, Jake Lloyd, Ian McDiarmid

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